Die Geschichte einer Band, die den Hard Rock neu definierte
Der Anfang einer außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte
Als Ende der 1960er-Jahre die Rockmusik immer experimenteller wurde, ahnte niemand, dass sich aus einer jungen britischen Band eine der prägendsten Formationen der Musikgeschichte entwickeln würde. Deep Purple gehört heute neben Led Zeppelin und Black Sabbath zu den Gründervätern des Hard Rock und gilt zugleich als wichtiger Wegbereiter des Heavy Metal. Mit über 100 Millionen verkauften Tonträgern, unzähligen Welttourneen und Songs wie Smoke on the Water, Child in Time oder Highway Star hat die Band Musikgeschichte geschrieben.
Die Geschichte von Deep Purple beginnt im Jahr 1967. Ursprünglich plante der ehemalige Schlagzeuger der Band The Searchers, Chris Curtis, ein Musikprojekt mit ständig wechselnden Mitgliedern unter dem Namen Roundabout. Noch bevor dieses Vorhaben Gestalt annahm, stieg Curtis jedoch aus. Die Initiative übernahmen daraufhin der klassisch ausgebildete Keyboarder Jon Lord und der außergewöhnlich talentierte Gitarrist Ritchie Blackmore. Gemeinsam beschlossen sie, aus der ursprünglichen Idee eine feste Band zu formen.
Zur ersten Besetzung gehörten neben Lord und Blackmore der Sänger Rod Evans, der Bassist Nick Simper sowie Schlagzeuger Ian Paice. Letzterer sollte als einziges Gründungsmitglied bis heute ununterbrochen Teil der Band bleiben. Den Namen Deep Purple wählte Ritchie Blackmore nach dem gleichnamigen Lied des amerikanischen Komponisten Peter DeRose aus dem Jahr 1933 – einem Lieblingsstück seiner Großmutter.
Die ersten Schritte und der Durchbruch
Bereits 1968 erschien das Debütalbum Shades of Deep Purple. Obwohl das Album in Großbritannien zunächst wenig Beachtung fand, entwickelte sich die Single Hush, eine Coverversion eines Songs von Joe South, vor allem in den USA zu einem Achtungserfolg. Noch im selben Jahr veröffentlichte die Band The Book of Taliesyn, gefolgt vom selbstbetitelten dritten Album Deep Purple im Jahr 1969. Musikalisch bewegte sich die Gruppe damals noch zwischen Psychedelic Rock, Progressive Rock und klassischen Einflüssen. Besonders Jon Lords Vorliebe für klassische Musik verlieh den frühen Aufnahmen eine außergewöhnliche Note.
Der entscheidende Wendepunkt kam Ende 1969. Rod Evans und Nick Simper verließen die Band und wurden durch Sänger Ian Gillan und Bassist Roger Glover ersetzt. Diese Besetzung – heute als Mark II bekannt – sollte zur erfolgreichsten und legendärsten Formation in der Geschichte von Deep Purple werden. Mit Gillans außergewöhnlichem Stimmumfang, Blackmores virtuosem Gitarrenspiel, Lords markanter Hammond-Orgel, Glover als Songwriter und Produzent sowie dem präzisen Schlagzeugspiel von Ian Paice entwickelte die Band ihren unverwechselbaren Klang.
1970 erschien das Album Deep Purple in Rock, das heute als Meilenstein des Hard Rock gilt. Die Band verabschiedete sich weitgehend von psychedelischen Einflüssen und setzte stattdessen auf kraftvolle Gitarrenriffs, ausgedehnte Soli und eine bis dahin kaum gehörte musikalische Intensität. Besonders Speed King und das fast elfminütige Child in Time demonstrierten eindrucksvoll das enorme musikalische Können der fünf Musiker.
„Machine Head“ und der Weltruhm
Mit dem Nachfolgealbum Fireball festigte Deep Purple 1971 ihren internationalen Erfolg. Der endgültige weltweite Durchbruch gelang jedoch 1972 mit Machine Head, einem Album, das heute regelmäßig zu den bedeutendsten Rockplatten aller Zeiten gezählt wird.
Die Entstehung dieses Albums ist eng mit einer wahren Begebenheit verbunden. Deep Purple wollte im Casino von Montreux in der Schweiz aufnehmen. Während eines Konzerts von Frank Zappa geriet das Gebäude am 4. Dezember 1971 in Brand, nachdem ein Besucher eine Signalpistole abgefeuert hatte. Das Casino brannte vollständig nieder. Die Band beobachtete das Feuer von ihrem Hotel aus, während dichter Rauch über den Genfersee zog. Dieses Bild inspirierte Roger Glover zu der später weltberühmten Zeile „Smoke on the water, fire in the sky.“ Aus diesem Ereignis entstand einer der bekanntesten Rocksongs der Musikgeschichte.
Noch im selben Jahr veröffentlichte Deep Purple das Livealbum Made in Japan. Ursprünglich ausschließlich für den japanischen Markt vorgesehen, entwickelte es sich weltweit zu einem der erfolgreichsten und meistgelobten Livealben der Rockmusik. Die ausgedehnten Improvisationen machten deutlich, warum Deep Purple damals als eine der besten Livebands überhaupt galt.
Erfolgsdruck und personelle Veränderungen
Der enorme Erfolg brachte jedoch auch Spannungen innerhalb der Band mit sich. Unterschiedliche musikalische Vorstellungen sowie persönliche Konflikte führten 1973 zum Ausstieg von Ian Gillan und Roger Glover. Ihre Nachfolger wurden David Coverdale und Glenn Hughes. Mit dieser sogenannten Mark-III-Besetzung öffnete sich Deep Purple stärker Blues-, Soul- und Funk-Einflüssen. Besonders das Album Burn aus dem Jahr 1974 zählt bis heute zu den Klassikern der Bandgeschichte.
Gitarrist Ritchie Blackmore konnte sich mit dieser musikalischen Entwicklung zunehmend weniger identifizieren und verließ die Band 1975. Kurz darauf gründete er Rainbow. Sein Nachfolger wurde der amerikanische Gitarrist Tommy Bolin. Mit ihm entstand Come Taste the Band, das deutlich funkiger ausfiel als frühere Veröffentlichungen. Trotz guter Kritiken litt die Band unter internen Problemen. Nach dem tragischen Tod Tommy Bolins am 4. Dezember 1976 löste sich Deep Purple offiziell auf.
Die Rückkehr einer Rocklegende
Erst acht Jahre später kam es zur großen Wiedervereinigung. 1984 fanden Ian Gillan, Ritchie Blackmore, Roger Glover, Jon Lord und Ian Paice erneut zusammen. Das Album Perfect Strangers wurde weltweit gefeiert und bewies eindrucksvoll, dass Deep Purple auch in den 1980er-Jahren nichts von ihrer musikalischen Klasse verloren hatten.
Doch die Spannungen zwischen Ian Gillan und Ritchie Blackmore kehrten zurück. Nach der Veröffentlichung von The Battle Rages On… verließ Blackmore 1993 die Band endgültig. Für einige Konzerte sprang Joe Satriani ein, bevor 1994 Steve Morse festes Mitglied wurde. Mit seinem melodischen und technisch brillanten Gitarrenspiel prägte er den Sound der Band fast drei Jahrzehnte lang.
Abschied von Jon Lord und ein neues Kapitel
2002 verabschiedete sich Jon Lord nach mehr als drei Jahrzehnten aus der Band, um sich seiner Familie und klassischen Kompositionen zu widmen. Sein Nachfolger wurde Don Airey, der bereits mit Ozzy Osbourne, Rainbow und Whitesnake gearbeitet hatte. Jon Lord starb am 16. Juli 2012 im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Sein Einfluss auf den Hard Rock bleibt bis heute unvergessen. Die Verbindung aus Hammond-Orgel und verzerrter E-Gitarre wurde durch sein Spiel zu einem Markenzeichen des Genres.
Auch im neuen Jahrtausend blieb Deep Purple kreativ. Mit den Alben Bananas, Rapture of the Deep, Now What?!, Infinite, Whoosh! und schließlich =1 im Jahr 2024 bewies die Band eindrucksvoll, dass sie auch Jahrzehnte nach ihrer Gründung noch neue Musik auf höchstem Niveau veröffentlichen kann.
2022 musste Steve Morse die Band aus familiären Gründen verlassen, um sich um seine schwer erkrankte Ehefrau zu kümmern. Sein Platz wurde vom nordirischen Gitarristen Simon McBride übernommen, der sich mit seiner energiegeladenen Spielweise nahtlos in den charakteristischen Sound der Band einfügte.
Das Vermächtnis von Deep Purple
Eine besondere Würdigung erhielt Deep Purple 2016 mit der Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame. Geehrt wurden unter anderem Ritchie Blackmore, Jon Lord, Ian Gillan, Roger Glover, Ian Paice, Rod Evans, David Coverdale und Glenn Hughes. Für viele Fans war dies eine längst überfällige Anerkennung einer Band, deren Einfluss auf die Rockmusik kaum zu überschätzen ist.
Heute, mehr als ein halbes Jahrhundert nach ihrer Gründung, gehören Deep Purple zu den langlebigsten und bedeutendsten Rockbands der Welt. Ihre Musik verbindet technische Virtuosität mit außergewöhnlichem Songwriting und einer unverwechselbaren Klangästhetik. Generationen von Musikern – von Metallica über Iron Maiden bis hin zu Dream Theater oder den Scorpions – nennen Deep Purple als prägenden Einfluss. Was 1968 mit einer jungen britischen Rockband begann, entwickelte sich zu einem kulturellen Phänomen, dessen Bedeutung weit über den Hard Rock hinausreicht. Deep Purple sind längst mehr als eine Band – sie sind ein fester Bestandteil der internationalen Musikgeschichte.

