Hazel Eyes – Sam Smiths leises, reifes Liebesalbum

Du kennst das Gefühl: Nach dem großen Club-Beben von „Unholy“ und dem befreiten, etwas schillernden Gloria-Album von 2023 erwartet man von Sam Smith eigentlich den nächsten lauten Move. Stattdessen kommt Hazel Eyes – und es ist leise. Richtig leise. Und genau deshalb trifft es so hart.

Das fünfte Album

Gestern (21. August 2026) erschienen, ist das Album kein weiteres Kapitel gebrochener Herzen. Es ist ein Liebesalbum im besten, erwachsensten Sinne. Gewidmet dem Verlobten Christian Cowan, dessen haselnussbraune Augen dem Plattentitel den Namen geben. Der Opener „Everlasting Love“ entstand in der Nacht vor dem ersten Date und wurde später fertiggeschrieben – und man spürt diese Entwicklung: von der vorsichtigen Hoffnung zur tiefen, gelebten Nähe.

Smith hat sich mit den Produzenten Simon Aldred und David Odlum in die Electric Lady Studios in New York zurückgezogen und einen bewusst organischen Sound geschaffen. Akustische Gitarren, dezentes Klavier, Streicher, leichte Doo-Wop- und Outlaw-Country-Anklänge, britischer Folk und gelegentliche Gospel-Wucht. Keine Synthie-Wände, keine Tanzflächen-Bomben. Die Stimme steht im Zentrum – ungeschminkt, nah, manchmal fast flüsternd, dann wieder mit voller Kraft. Es klingt wie Jazz in einem kleinen Club, wie ein Folk-Song am Lagerfeuer oder wie eine Messe in einer winzigen Kirche. Mutig heruntergefahren – und durch die emotionale Intensität von Smiths Gesang mehr als getragen.

Inhaltlich geht es um die komplexe Realität des Verliebtseins. Nach der ersten Euphorie in „Everlasting Love“ und dem girlgroup-mäßigen „My Guy“ (mit Feist) wird klar: Liebe ist Arbeit. Der Titeltrack „Hazel Eyes“ beschreibt den Ort, an dem man endlich zerfallen darf. „Thief“ taucht in Betrug und paranoide Verletzung ein – eine brodelnde Avant-Blues-Nummer mit akustischer Gitarre, bei der die Zeile „You’ve been dancing with deceit“ unter die Haut geht. „Oh Mother“ mit dem 28-köpfigen TwoCity Chorus entfaltet monumentale Wucht und schützende Wut. Und im ruhigen Abschluss „To Be Free“ fällt der vielleicht klügste Satz: „Lost my faith in perfect.“ Eine ganze Karriere in fünf Worten.

Die Highlights sind klar:

„Thief“ als emotionalster und stärkster Track, „Oh Mother“ als kraftvoller Chor-Moment und der Titeltrack als stilles Herzstück. Daneben gibt es kleine Schönheitsfehler. Die konsequente Akustik-Ausrichtung lässt manche Songs im Mittelteil etwas ineinander verschwimmen. „Moondance“ mit Feist bringt eine willkommene Indie-Note, bleibt aber ohne den ganz großen Wow-Moment. Und „Sugar Rush“ wirkt mit seinem Doo-Wop-Klamauk wie ein fröhlicher, aber etwas störender Ausreißer.

Trotzdem:

Smith hat hier ein Kunststück vollbracht. Ein Album über Verliebtsein, das nie kitschig oder naiv klingt. Es zeigt die Fallstricke und Schattenseiten genauso ehrlich wie die Schönheit. Wer Ohrwurm-Pop erwartet, wird enttäuscht. Wer sich auf eine intime, kraftvolle und kluge Songwriter-Platte einlässt, bekommt eines der reifsten Alben des Jahres. Ein leiser Perspektivwechsel, der lauter nachhallt als mancher Hit.


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Sam Smith – Hazel Eyes

17,99 €

Das mit Spannung erwartete fünfte Studioalbum

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