Wenn zwei alte Bekannte ein neues Kapitel aufschlagen
Ich muss zugeben: Als ich zum ersten Mal von Chapter 7 gehört habe, dachte ich an ein frisch geschmiedetes Musikprojekt. Tatsächlich ist die Geschichte dahinter viel älter und interessanter, als es auf den ersten Blick wirkt.
Hinter Chapter 7 stehen Gracia Baur, die du vielleicht noch aus der ersten DSDS-Staffel 2002 kennst (sie wurde damals Fünfte) und die 2005 mit „Run & Hide“ beim Eurovision Song Contest für Deutschland antrat, sowie Hit-Produzent David Brandes. Was viele nicht wissen: Genau dieses Lied, mit dem Gracia damals beim ESC den letzten Platz belegte, stammte bereits aus Brandes‘ Feder. Die beiden kennen sich also nicht erst seit gestern – sie sind seit Mitte der 2000er auch privat ein Paar. Diese lange gemeinsame Geschichte hört man dem Album an: Hier trifft niemand zum ersten Mal aufeinander, sondern zwei Menschen, die sich musikalisch längst blind verstehen.
Ihr Debütalbum „Tränenmeer“ erscheint am 4. September 2026 und ich würde es als melancholischen Rock mit cineastischem Anstrich beschreiben – große, atmosphärische Arrangements, die zwischen Dark Rock, Pop und folkloristisch angehauchten Klangflächen pendeln. Die Band selbst nennt es ein „emotionales Panorama aus Hoffnung und Verlust, Nähe und Distanz“, und das trifft es ziemlich gut.
Was mir besonders auffällt: Chapter 7 traut sich an Themen, die im Mainstream-Pop oft gemieden werden. „Sheera“ behandelt das Tabuthema Missbrauch, „Dein Gift“ seziert toxische Beziehungen schonungslos. Statt Floskeln geht es um Sehnsucht, Rausch und das leise Zerbrechen klarer Gedanken – textlich durchaus mit Tiefgang.
Die zwölf Songs im Überblick:
Salz, Sheera, Dein Gift, Geweint vor lauter Glück, Unter unsern Brücken, Zeugen neuen Lebens, Du reißt alles in mir auf, Als der Regen kam, Tränenmeer, Wie weit ist zu weit, Stück für Stück und – als Abschluss – eine Coverversion von Metallicas „Nothing Else Matters“.
Erhältlich ist das Album als CD-Digipak (ca. 18,99 €), als limitierte Deluxe-Box mit CD, 7″-Single und Merchandise (ca. 59,99 €) oder als limitierte weiße Vinyl (ca. 29,99 €).
Wie kommt das Album an?
Seit der ersten Single „Salz“ im Februar 2026 hat das Projekt sechsstellige Streamingzahlen auf Spotify erreicht – und ein großer Teil davon läuft über Spotifys eigene algorithmische Playlists wie Release Radar oder automatische Empfehlungen, nicht über von Hörern selbst erstellte Playlists. Das ist ein gutes Zeichen: Es bedeutet, dass die Plattform selbst das Projekt aktiv pusht. Auch der Vorverkauf läuft offenbar gut, Konzertveranstalter zeigen Interesse, es gibt einen RTL2-Deal, und am 6. September 2026 – kurz vor Album-Release – tritt Chapter 7 im ZDF-Fernsehgarten auf.
In den Fan-Foren ist das Bild gemischter: Manche loben „Salz“ für seine Nähe zu Künstlern wie Oonagh, Nu Pagadi oder Gregorian, andere stören sich an den in den Videos eingesetzten KI-Bildern oder finden den Sound schlicht nicht ihren Geschmack. Ein Kritikpunkt, der öfter auftaucht: In „Salz“ war Gracias Stimme kaum herauszuhören – bei den späteren Singles wurde das offenbar deutlich besser.
Mein Fazit:
„Tränenmeer“ ist ein ambitioniertes Debüt, das bewusst auf emotionale Tiefe statt auf schnelle Radiotauglichkeit setzt – getragen von zwei Künstlern, die sich seit über 20 Jahren kennen und genau wissen, was sie miteinander erreichen wollen. Ob der Erfolg über den Release hinaus trägt, wird sich zeigen. Die Zutaten dafür – ein eingespieltes Team, mutige Themen und ein bereits spürbares Medienecho – sind jedenfalls da.
Chapter 7 – Tränenmeer
Ltd. Deluxe Fanbox inkl. signierter CD, White 7" Vinyl, Chapter 7 Kette mit Lederhalsband, Chapter 7 Schal





